In Schonderfeld verarbeitet Alexander Meder Obst aus der Region zu hochwertigem Direktsaft – frisch gepresst und im gleichen Zuge pasteurisiert abgefüllt für den Erhalt der Frische und des Aromas. Was nach traditioneller Handarbeit klingt, ist gleichzeitig ein Paradebeispiel für moderne Kreislaufwirtschaft und gelebte Nachhaltigkeit. In seiner Kelterei treffen Erfahrung, Technik und Überzeugung aufeinander. Dabei geht es längst nicht nur ums Mosten: Meder schafft mit seinem Betrieb ein Modell, wie regionale Landwirtschaft wirtschaftlich und ökologisch funktionieren kann – transparent, anpassungsfähig und lokal verankert.
Inhalt
Ein Familienbetrieb mit Zukunftsvision
„Ich bin da so reingewachsen“, sagt der 42-jährige Kfz-Meister. Als Kind stand er schon an der Apfelmühle, während die Maische durchlief. Die Brennerei seines Großvaters bildet das Fundament, sein Vater führte den Betrieb weiter. 2016 übernimmt Alexander Meder – und startet seine eigene Linie: moderne Technik, nachhaltiges Denken und ein offenes Angebot für alle, die ihre Ernte selbst verarbeiten lassen wollen. Die Idee, frisches Obst in echten Direktsaft zu verwandeln – ganz ohne Konzentrate, Umwege oder Lagerzeiten – trifft einen Nerv. Meder modernisiert die Anlage, investiert in eine Bandpresse und baut einen eigenen Pasteur mit Wasserbad. Erst keltert er nur für die Familie, dann fragen Bekannte an. Heute sind es Hunderte, die jährlich ihre Äpfel, Birnen, Quitten – manchmal auch Karotten oder Melonen – vorbeibringen. Er erkennt früh eine Marktlücke: Direktverarbeitung zum Mitnehmen. Während andere Betriebe auf Wartezeiten setzen, bekommen Meders Kundinnen und Kunden ihren eigenen Saft sofort – ein Service, der bis heute einzigartig in der Region ist. Die gläserne Produktion schafft Vertrauen: Wer zusehen kann, wie sein Saft entsteht, bekommt mehr als ein Produkt: nämlich Wertschätzung für die Bewirtschaftung und Ernte.
Gläserne Produktion und eigene Energie
Meder baut nicht nur die Kelterei um, sondern auch ihr Energiesystem. 2010 beginnt er mit Photovoltaik, 2018 folgt ein Kesselhaus mit Pufferspeicher, gespeist durch Sonnenenergie und Scheitholz. Ziel: energieautark arbeiten – selbst bei den konstant 88 °C, die für den Pasteurisierungsvorgang nötig sind. „Als ich das gebaut habe, wusste niemand, ob es technisch überhaupt funktioniert“, erinnert er sich. Doch mit Improvisationstalent und Tüftlergeist entwickelt er Lösungen: Eine Webcam und ein altes Smartphone zum Beispiel liefern live die Temperaturdaten aus dem Kesselhaus. Das System läuft – stabil, effizient und unabhängig von fossilen Brennstoffen.
Seine Philosophie: Wenn Strom übrig ist, wird er genutzt. Drei reparierte Waschmaschinen und Trockner laufen dann gleichzeitig – saubere Wäsche als Energiespeicher. Das klingt pragmatisch, ist aber Ausdruck einer durchdachten Haltung. Meder denkt in Kreisläufen, nicht in Gewinnen. Und das rechnet sich: Die Betriebskosten sinken, die Preise bleiben niedrig. Ein 5-Liter-Karton pasteurisierter Saft kostet fünf Euro – ein Preis, den er dank seiner Unabhängigkeit halten kann.
Nachhaltigkeit beginnt in den Details
Auch bei Verpackung und Material setzt Meder konsequent auf Wiederverwertung und Regionalität. Die Saftbeutel stammen aus deutscher Produktion, die Kartons werden von der Kundschaft gesammelt und mehrfach verwendet. Nicht aus Marketinggründen, sondern aus Überzeugung: „Wenn wir regional denken, müssen wir auch bereit sein, etwas mehr zu investieren – nicht nur Geld, sondern auch Aufwand.“ Ähnlich konsequent ist sein Umgang mit Trinkwasser.
Etwa 300 Kubikmeter benötigt er pro Saison allein für die Obstverarbeitung – zu viel für seinen Geschmack. Um den Verbrauch zu senken, tüftelt er an einem neuen Kreislaufsystem: Das Wasser mit feinen Fruchtpartikeln soll künftig wiederverwendet werden – zum Waschen der Äpfel. Schon jetzt reduzieren Schwammkugeln im Leitungssystem den Einsatz von Reinigungsmitteln deutlich.
Regionalität mit Wirkung
Meders Kundschaft kommt vor allem aus dem Umland – teils mit bis zu einer Stunde Anfahrt. Ist das noch nachhaltig? Im Vergleich zu importierten Konzentraten schon, meint er, denn ein Großteil des Apfelsaftes in Deutschland basiert auf Konzentrat – oft aus China. „Da ist eine Stunde Fahrt für lokalen Direktsaft, der verschlossen zwei Jahre und angebrochen mindestens 12 Wochen haltbar ist, vertretbar.“ Etwa zehn Prozent seiner Produktion verkauft Meder bei sich über den Hofladen. Auch hier ist er konsequent in seinem Handeln: Ein ausrangierter Gefrierschrank dient als „Selbstbedienungsautomat“. Wichtig sind ihm auch faire Preise für das angekaufte Obst. Dabei geht es ihm nicht nur um Wirtschaftlichkeit, sondern auch um kulturelles Erbe. Streuobstwiesen, sagt er, seien wertvolle Biotope und Teil der regionalen Identität. Wer regionalen Saft kauft, schützt nicht nur Umwelt und Klima – sondern auch Vielfalt, Tradition und Lebensraum
Alexander Meders Kelterei ist mehr als ein Verarbeitungsbetrieb – sie ist ein lebendiges Beispiel dafür, wie zukunftsfähige Landwirtschaft in der Region aussehen kann. Transparent, effizient und nah an den Menschen. Mit seiner Arbeit bringt Meder altes Wissen und moderne Technik zusammen, hält Familiengeschichte lebendig und zeigt, dass ökologische Verantwortung kein Verzicht sein muss – sondern ein Gewinn für alle.
