Sternwarte in Eigenbau

An den Hängen des Hochspessarts betreibt der Hobby-Astronom Jürgen Väth die Privatsternwarte Bischbrunn. Der 62-jährige Ingenieur zeigt Kindern den Nachthimmel oder hilft Menschen, ihr eigenes Teleskop besser zu verstehen. Dabei teilt er seine Leidenschaft auf typisch pragmatische Ingenieursart – jedoch war diese Leidenschaft kein Kindheitstraum.

Wer im Spessart daheim ist, denkt beim Begriff Sternwarte wahrscheinlich zuerst an Wasserkuppe in der Rhön. Doch auch bei uns kann man dem Himmel ganz nah sein.

Vom Wohnzimmer in den Garten: Der Bau der ersten Sternwarte

„Aus Jux und Dollerei“, so beschreibt Jürgen Väth den Beginn seiner Liebe zum Sternenhimmel. „Ein purer Zufall“, dass er 2009 ein billiges Teleskop beim Einkaufen entdeckte und spontan mit nach Hause nahm. Und dann? Wurden die Teleskope einfach immer größer. Nachdem seiner Frau die Sternenguckerei im Wohnzimmer zu viel wurde, tat er das, was Ingenieure eben so tun: Er konstruierte seine eigene Sternwarte im Garten. Die Kuppel dieses ersten kleinen Observatoriums dreht sich mit acht Schubkarrenrädern auf einer Metallschiene – eine einfache Konstruktion, die er selbst plant und baut. Das seltsame Gebäude im Grün des Gartens weckt die Neugierde der Vorbeigehenden. Ob man da wohl mal reinschauen könne? Schnell macht die Runde, dass man in Bischbrunn den Himmel beobachten kann, und die Idee einer öffentlich zugänglichen Sternwarte ist geboren.

Da merkt man erst, wie schnell sich die Erde dreht.

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Moderne Teleskope - mehr als einfach nur Durchschauen

Nach den ersten Linsenteleskopen schaffte Jürgen Väth seine drei Spiegelteleskope an. Denn Linsenteleskope, so erklärt er, seien schwer zu justieren und man müsse sie manuell dem zu beobachtenden Himmelskörper nachführen. „Da merkt man erst, wie schnell sich die Erde dreht.“ Kaum hat man ein Objekt erfasst, ist es auch schon wieder aus dem Sichtfeld verschwunden. Seine Spiegelteleskope hingegen haben eine GPS-Motorennachführung. Einmal anvisiert, folgt das Teleskop dem Himmelskörper automatisch. „Eine große Erleichterung“, sagt er, „man muss nur noch durchschauen.“

Doch ganz so einfach ist es eben doch nicht. Denn neben der Technik sei eine gewisse Grundkenntnis unerlässlich. Oft meldeten sich Menschen bei ihm, die mit ihrem eigenen Teleskop nicht zufrieden sind. „Ich sehe da nix“, sei eine häufige Aussage. Väth teilt sein Wissen gerne und erklärt, worauf es bei der Bedienung eines Teleskops ankommt. Denn diese kämen oft nur mit einem dünnen Handbuch und mangelhaften Erklärungen.

Erwartungen versus Realität bei der Himmelsbeobachtung

Als eine seiner Aufgaben sieht er es auch, die Vorstellungen der Menschen vom Nachthimmel etwas zurechtzurücken. Denn durch das Hubble-Weltraumteleskop und den leichten Zugang zu dessen Bildern im Internet haben wir alle bereits Galaxien, Nebel und Planeten im Kopf: Beeindruckende Fotos von Himmelsobjekten, fast zum Greifen nah, jedoch hochgradig nachbearbeitet. Manchmal begegnet er auch Fragen, die ihm zeigen, wie wenig die Menschen hier unten sich mit dem großen Ganzen da oben beschäftigen. Zum Beispiel, ob man denn alle Planeten unseres Sonnensystems in einer Nacht beobachten könne?

Mann sitzt hinter Maschine

Väth ist erst dann zufrieden, wenn er die Phantasmen an die Realität angeglichen hat. Kaum jemand verlasse sein Observatorium ohne einen Aha-Moment. Der Hobby-Astronom nimmt eine Fernbedienung und lenkt damit das Spiegelteleskop auf die Sonne. Auch diese lässt sich – unter Sicherheitsvorkehrungen für die Augen in Form einer lichtabsorbierenden Folie – beobachten. Mit Adaptern für Kamera und Smartphone lässt sich das beobachtete Objekt sogar fotografieren.

Wissen weitergeben

Ohnehin kann man mit dem Smartphone ein gutes Verständnis für das Universum entwickeln. Apps wie Luminos oder Stellarium liefern interaktive Informationen dazu, was am aktuellen Himmel zu sehen ist. Gepaart mit Wissen, wie dem, dass der Vollmond wegen seiner Helligkeit kein gutes Beobachtungsobjekt ist, sind auch für wenig Geübte gute Einblicke in den Himmel möglich. Um sein Wissen weiterzugeben, überließ Väth seine Schubkarrenräder-Sternwarte den Enkeln als Spielhaus und machte sich erneut ans Planen, Sägen und Schrauben. Von außen gleicht das heutige Observatorium einer simplen Holzhütte, von innen ist sie Sternwarte, Planetarium und Vortragsraum zugleich: Poster an den Wänden, Modelle unseres Sonnensystems auf den Regalen, das Spiegelteleskop unter der beweglichen Kuppel. Hier kann Väth Interessierte empfangen – VHS, Kindergarten und Schule kommen zu ihm, aber auch andere Gruppen nach vorheriger Vereinbarung. Reicht der Platz nicht aus, weicht er für Vorträge in die umgebaute Garage aus.

Internationale Zusammenarbeit beim Blick in den Himmel

Im Hof zeigt Väth auf das Dach seines Wohnhauses. Dort oben befindet sich eine Kamera, die kontinuierlich den Himmel beobachtet. Auf der Webseite allsky7.net ist diese unter AMS56 registriert und ergänzt das europäische Fireball-Netzwerk: Über den Kontinent verteilte Kameras zeichnen Himmelskörper beim Eintritt in unsere Atmosphäre auf und stellen sie in einem Archiv bereit. Was den Hobby-Astronomen begeistert, ist die Realität der Dinge, die da draußen sind. Natürlich liefern Deep-Sky-Beobachtungen die spektakuläreren Bilder. Aber im Teleskop die Realität zu sehen, meint Väth, sei etwas ganz anderes. Wobei er zugibt, dass Realität im Hinblick auf die Lichtgeschwindigkeit ein schwieriger Begriff ist. „Vieles von dem, was wir da oben sehen, existiert ja jetzt schon nicht mehr.“

Sie wollen selbst Sterne beobachten?

Colorful nebula and star-filled night sky captured with astrophotography.

Jürgen Väth bietet unter Anderem regelmäßig VHS Kurse für Interessierte Sternenkundler und Kinder an. Bei der VHS Marktheidenfeld finden Sie die aktuell angebotenen Kurse. 

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