Über Dinge, die noch zu retten sind

In den Repair Cafés des BUND Naturschutzes (BN) in Bayern werden Dinge repariert, die sonst im Müll landen würden. Dabei reicht die Bandbreite der Gegenstände von Haushaltsgeräten wie Föns und Kaffeemaschinen bis hin zu Fahrrädern.

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"Die sind immer problematisch"

„Die sind immer problematisch“, so Helmut Müller-Fecher aus Gemünden, „denn jede hat ein anderes System.“ Er sitzt gebeugt über einer Nähmaschine, leuchtet mit der kleinen Taschenlampe unter den Nähfuß. Schüttelt das weiße Haupt beim Anblick des Garnknäuels, das sich darunter schon wieder gebildet hat. Doch der 80-jährige Maschinenbauingenieur hat Spaß am Fummeln, wie er es nennt. Und außerdem tue er gerne etwas Gutes. In mehreren Städten in Main-Spessart bietet der BN seit 2015 die Möglichkeit, defekte Dinge wieder in Gang bringen zu lassen. Zum Beispiel in Karlstadt. Dort trifft man sich zum Tüfteln im Jugendzentrum (JUZ). Kaffee, Kuchen und Gespräche gehören genauso dazu, wie die Suche nach Ersatzteilen im Internet. Denn das sei eine große Hilfe, so Andreas Stehfest. Er ist mit 56 Jahren der jüngste unter den Helfern. Der Büro-Informationselektroniker führt seinen Beruf mit Leidenschaft aus und hat nach Feierabend einfach noch nicht genug. „Hier ist die Thermopille defekt“, erklärt er der Kundin mit der defekten Heißluftfritteuse. Die möchte das Gerät ihrem Sohn geben, „für die Studentenbude“, sagt sie. Das sei besser als Wegwerfen. Währenddessen kämpft Klaus Weiglein (81) mit einem anderen Gerät. Sein Problem: Das Gehäuse ist nicht verschraubt, sondern geklickt. „Wenn man da nicht weiß, wo die Verbindung sitzt, bekommt man es nicht auseinander.“ Noch schlimmer seien verklebte Gehäuse. „Die Hersteller wollen ja auch nicht, dass das repariert wird“, sagt ein Kunde.

Hände

Das Repair Cafe

Initiatoren und Organisatoren der Repair Cafés sind Erwin Scheiner und seine Frau Monika. Mittlerweile findet das Repair Café in Karlstadt, Lohr und Marktheidenfeld im jeweiligen JUZ statt. Das hat nicht nur logistische Gründe. „Wir wollen“, so Erwin Scheiner, „auch was für die Jugend tun.“ Ihnen vermitteln, hochwertige Dinge, die auch zu reparieren sind, zu kaufen. Das sei eine wichtige Aufgabe für die Zukunft. Außerdem finde man so junge Multiplikatorinnen und Multiplikatoren, die den Gedanken in ihr Umfeld tragen. Interesse zum Mitmachen konnte das Repair Café im JUZ bereits wecken. Zwei junge Leute haben sich den alten Hasen der Reparierenden schon angeschlossen. Dabei ist das Repair Café nicht zu verwechseln mit einer Service-Werkstatt. Denn die Freiwilligen im Café möchten die Menschen zur Selbsthilfe anregen. 

Ja, man schaut, wo der Defekt liegt, aber dann zeigen die Helfer, wie man das Gerät möglichst selbst reparieren kann und wo das Ersatzteil zu bestellen ist. Die Hilfe im Repair Café erfolgt dabei immer mit Voranmeldung und Terminvergabe – damit habe man während Corona positive Erfahrungen gemacht und das beibehalten.

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