Die Eichenzwerge

In Main-Spessart hat sich eine kleine Naturgemeinschaft gefunden: die Kindergruppe „Eichenzwerge“ des BUND Naturschutzes (BN). Unter der einfühlsamen Leitung der Naturpädagogin Juliane Wellmann erleben Kinder die Natur dort nicht als Lernstoff, sondern als lebendiges Abenteuer.

Inhalt

Ein Basislager mit Geschichte

Treffpunkt der Truppe ist ein alter Bauwagen, der durch eine Spende der Raiffeisen-Stiftung für Main-Spessart saniert werden konnte. Seit Anfang 2025 ist er ganzjähriger Anlaufpunkt für die Kindergruppe. Doch im Mittelpunkt der „Eichenzwerge“ steht nicht nur der Ort, sondern vor allem die Haltung, mit der er genutzt wird.

Freiheit als pädagogisches Prinzip

„Wir müssen den Kindern ihre Freiheit nur lassen – sie ist ja einfach da“, beschreibt Juliane ihr Konzept. Statt durch starre Pläne lässt sie sich von der Neugier der Kinder leiten. Im Mittelpunkt: echte Erfahrungen, statt perfekter Ergebnisse. „Einfach mal machen lassen“ ist ihr Motto – ob beim Balancieren auf einem Ast, dem Bau eines Tipis oder dem Schnitzen mit dem Taschenmesser.

„Wir müssen den Kindern ihre Freiheit nur lassen – sie ist ja einfach da“, beschreibt Juliane ihr Konzept.

Lernen mit allen Sinnen

Neben dem Gewähren von Freiheit gibt Juliane gezielte Anregungen und Mottos, die die Neugier der Kinder lenken und ihnen neue Perspektiven eröffnen. Sie stellen aus Beeren eigene Farben her, lassen Zweige zu Kohlestiften verglühen oder weben Tarnumhänge. „Wichtig ist, etwas mit den Händen zu tun“, betont Juliane. Immer im Vordergrund: das unmittelbare Ausprobieren. Dabei ist Raum für Fehler ausdrücklich erwünscht. „Wenn etwas nicht klappt, versuchen wir es nochmal.“ Diese Haltung vermittelt Geduld und macht Mut, eigene Wege zu gehen.

Vom Konflikt zur Gemeinschaft

Geduld ist auch ihr Schlüssel in schwierigen Momenten. Bei Streit und Tränen ermuntert Juliane zum Zuhören, lässt unterschiedliche Perspektiven zu Wort kommen. „Wir versuchen zu klären, warum etwas eskaliert ist, statt zu sagen: Es ist halt so“, beschreibt sie ihren Ansatz. So lernen die Kinder, Konflikte fair zu lösen und entwickeln ein Verständnis für Empathie. In diesem geschützten Raum steht außerdem das Entdecken individueller Stärken im Vordergrund. „Kinder, die sonst anecken, können hier ihre Energie positiv einsetzen“, beobachtet Juliane. Ihr Konzept geht auf und trotz der wenigen zwei Stunden monatlich formte sich in kurzer Zeit eine enge Gemeinschaft, die im Oktober sogar ein gemeinsames Zeltabenteuer meisterte.

Eine Erfolgsgeschichte mit Zukunft

Aus ursprünglich geplanten 12 Kindern wurden schnell 18. „Wir versuchen keinem Kind abzusagen“, so Erwin Scheiner, 1. Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Main-Spessart. Er unterstützt Juliane bei den monatlichen Treffen. Mittlerweile werden sie durch eine weitere Ehrenamtliche unterstützt, so dass die Gruppe 2026 auf 21 Kinder wachsen darf. Julianes Arbeit zeigt: Wahre Naturpädagogik gedeiht im Raum zum freien Entdecken, in der Zeit für geduldiges Zuhören und im Vertrauen, dass Kinder am meisten lernen, wenn sie einfach sein dürfen, wie sie sind. Vertrauen, Wildheit und praktisches Lernen: Die Naturpädagogik der „Eichenzwerge“ wird im gemeinsamen Tun lebendig – vom kreativen Werkeln am Basislager bis zur Erkundung des Waldes.

0
    0
    Warenkorb
    Dein Warenkorb ist leerZurück zum Shop
    Nach oben scrollen