Seit jeher ist mit dem Namen Raiffeisen ‚mehr als Geld und Zinsen‘ verbunden. Als Genossenschaftsbank – von Menschen aus der Region gegründet – sind Finanzdienstleistungen für die Raiffeisenbank Main-Spessart der geschäftliche Kern. Darüber hinaus hat es sich die regionale Bank auch zur Aufgabe gemacht, für ihre Mitglieder Mehrwertangebote zu entwickeln, die über das besagte Geschäft mit Geld und Zinsen deutlich hinausgehen und zudem die weiteren Lebensnotwendigkeiten der Menschen in der Region aufgreifen.
Dabei orientiert sich die Raiffeisenbank an der genossenschaftlichen Grundidee, wirtschaftliche und gesellschaftliche Probleme gemeinsam zu lösen – basierend auf den Werten Selbsthilfe, Selbstverantwortung und Selbstverwaltung der Mitglieder.
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Wie kann und sollte man im Sinne dieser Idee Zukunft gestalten, wie das eigene Unternehmen bewegen, wie die eigene Region zu einer lebenswerten machen?
Andreas Fella: Zunächst geht es darum, Bewusstsein zu schaffen, dass Main-Spessart schon heute eine hohe Attraktivität für die ansässigen Menschen und Unternehmen auszeichnet. Nicht umsonst sind wir unter anderem der industriestärkste Landkreis in Unterfranken. Und die landschaftliche und kulturelle Vielfalt, die uns tagtäglich begegnet, ist ebenfalls außergewöhnlich. Diese aber zu erhalten und in die Zukunft zu begleiten, ist gleichzeitig die Herausforderung. Die Raiffeisenbank Main-Spessart als eine große Gemeinschaft, getragen von ihren rund 48.000 Mitgliedern, will hier ihrer Verantwortung gerecht werden. Hierzu machen wir uns schon seit einiger Zeit – gemeinsam mit unseren Vertretern, Aufsichtsräten und Mitarbeitern – Gedanken. Unseren Vorteil sehen wir vor allem darin, dass wir hier nicht nur arbeiten, sondern auch leben und somit in Summe unsere Region kennen wie kaum jemand anderes. Daraus leitet sich unsere Motivation ab, unsere Heimat auch für die nächsten Generationen lebenswert zu erhalten und damit auch unsere eigene Existenz zu sichern.
Bereits seit einigen Jahren wird die Raiffeisenbank in Main-Spessart als Motor und Netzwerker in verschiedenen Bereichen wahrgenommen. Wieviel Engagement braucht es hierzu?
Andreas Fella: Engagement entsteht durch Freude am Tun. Seine Heimat positiv mitzugestalten ist ein schönes Privileg. Wenn man mit dieser Einstellung an die Themen herangeht, dann wird vieles leichter. Es ist für uns als Bank alltäglich, mit Menschen und Unternehmen in Kontakt zu sein. Wir erfahren quasi aus erster Hand, was die Menschen bewegt und wo Handlungsbedarf entsteht. Viele dieser Themen hängen grundsätzlich eng mit unserem Kerngeschäft Finanzen zusammen, woraus wir dann innovative und intelligente Lösungen entwickeln können. Diese Situation motiviert mich persönlich sehr, da ich es als enorm sinnstiftend empfinde.
Aktuell sind da die Wohnraum-Projekte in den Landkreis-Städten Lohr, Karlstadt und Marktheidenfeld am sichtbarsten.
Wohnen für möglichst jede Lebensphase und auch bezahlbares Wohnen ist eine echte Notwendigkeit aller Menschen. Gleichzeitig ist es aus unserer Sicht mitunter der Erfolgsfaktor, damit Menschen in der Region bleiben oder in Main-Spessart überhaupt sesshaft werden. Das Thema Wohnraum ist aber nicht nur in den Städten ein wichtiges Thema, sondern auch in den umliegenden Dörfern. In den Städten ist eher Wohnraum zum Mieten oder Kaufen der Engpassfaktor. Hierauf sollen unsere Projekte in Lohr und Marktheidenfeld einzahlen.
Aber auch die Initiative, gemeinsam mit der Stadt Karlstadt, zur Gründung der Wohnungsbaugenossenschaft „Karschter Wohnen“ ist ein Baustein. Wichtig ist, dass dabei in der heutigen Zeit die regionalen Partner kooperieren. Hierbei dürfen nicht nur Renditeaspekte im Vordergrund stehen, sondern es muss um die langfristige und strukturelle Entwicklung der Region gehen und nicht um den schnellen Euro. Am Ende ist eine für die Menschen und Unternehmen attraktive Region dann auch die Basis für eine wirtschaftlich erfolgreiche Entwicklung.
Bereits sichtbares Zeichen, wenn es um die Entwicklung und Nutzung von innerstädtischen Flächen geht, war ja auch der Neubau des Raiffeisenforums an der Rechtenbacher Straße in Lohr. Dort entstand direkt neben dem Bankgebäude auch die Zentrale der Sozialstation St. Rochus Lohr. Zufall oder Signal?
Andreas Fella: Es war eine sehr bewusste Entscheidung. Das Thema Pflege bzw. die Gewissheit, dass die Versorgung unserer Eltern und Großeltern in der Heimat gewährleistet ist, bleibt eine große Herausforderung für unsere Gesellschaft. Die häusliche Pflege ist hierbei ein zentraler Erfolgsfaktor, damit Familien in solch einer Situation möglichst lange in der gewohnten Umgebung die Belastungen des Alltags meistern können. Hierzu notwendig ist ein professionell aufgestellter Pflegedienst, der sichtbar für die Öffentlichkeit ist und ein attraktives Arbeitsumfeld für die Mitarbeiter bietet. Diese Rahmenbedingungen konnten wir für die Sozialstation St. Rochus schaffen.
Erneuerbare Energiequellen um weiter unabhängig von ausländischen Staaten und fossilen Brennstoffen zu werden, sind wichtiger denn je. Wie bewerten Sie, als Mitbegründer und langjähriger Vorstand der Geno- Energie Karlstadt eG, die Situation in Main-Spessart und was kann auch hier die Genossenschaftsbank beitragen?
Andreas Fella: Aktuell ist wieder eine Hochphase für Projektentwickler im Bereich erneuerbare Energien. Auch bei uns im Landkreis werden quasi überall Projekte geplant, Flächen gesichert und somit der Markt neu aufgeteilt. Auffällig ist, dass zwar das Thema Bürgerbeteiligung ein zentrales Thema in der politischen Diskussion ist, die Umsetzung aber allzu oft nur halbherzig mittels Nachrangkapital bzw. Crowdinvesting erfolgt. Echte, langfristige Bürgerbeteiligungen über z. B. Genossenschaften werden eher selten favorisiert. So gehen die Erträge von solchen Projekten langfristig für die Menschen in der Region verloren. Anders ist dies zum Beispiel bei der im Jahr 2010 gegründeten Energiegenossenschaft GenoEnergie Karlstadt eG. Mittlerweile betreiben wir in der Genossenschaft Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von ca. 12 Megawatt. Die Kommunen vor Ort können sich über regelmäßige Gewerbesteuerzahlungen freuen, die Partner im Handwerk über Aufträge, die Grundstückseigentümer über kontinuierliche Partner mit einem Gesicht und die Mitglieder über regelmäßige, attraktive Ausschüttungen. Als Bank haben wir in den letzten Jahren zusätzlich eine hohe Expertise zum Thema Finanzierung von erneuerbaren Energien aufgebaut, die uns mittlerweile übrigens zu einem der führenden Institute in Nordbayern zum Thema Projektfinanzierung Photovoltaik macht.
Über allem steht, beziehungsweise ohne sie geht kaum noch was: die Digitalisierung. Was kann eine Genossenschaft hierzu beitragen?
Andreas Fella: Grundsätzlich gilt auch hier Raiffeisens Philosophie ‚Was einer allein nicht schafft, das schaffen viele.‘ Wir als Genossenschaft für Main-Spessart können auch hier Kräfte bündeln und Lösungen entwickeln, die in der digitalen Welt, in der die Menschen auch hier in der Region unterwegs sind, regionalen Angeboten eine höhere Präsenz zu verschaffen.
Hier drei Beispiele: Maingutschein.de als digitales Instrument, um den Geld- und Wirtschaftskreislauf lokal im Landkreis Main-Spessart zu halten. Die Online-Plattform für Geschenk- und Mitarbeitergutscheine – bietet dem regionalen Handel und der Gastronomie im gesamten Landkreis die Chance, am boomenden Gutscheingeschäft zu partizipieren und den Digitalriesen wie Amazon & Co. die Stirn zu bieten. Mit der Initiative yungbusy und der intuitiven Job-Plattform wild.job wollen wir Perspektiven und Orientierung für junge Menschen schaffen, die aufgrund der Fülle an Möglichkeiten bei der Berufswahl oftmals orientierungslos sind. Wir bauen die Brücke zwischen der Generation „Digital Natives“ und den Arbeitgebern der Region. Hierbei sollen vor allem die kleinen und mittleren Unternehmen mehr Sichtbarkeit in der digitalen Welt bekommen und die jungen Menschen über die vielfältigen Möglichkeiten in der Region informiert werden. Mit dem neuen Angebot ubiMaster – einer digitalen Lernplattform für Schülerinnen und Schüler von 10 bis 18 Jahren – stellen wir für unsere jungen Mitglieder einen kostenlosen und zeitgemäßen Mehrwert im Bereich Bildung zur Verfügung. Durch eine bayernweite Initiative des Genossenschaftsverbandes Bayern ist es gelungen, ein hochqualifiziertes, exklusives Angebot an den Start zu bringen, dass es so noch nicht gegeben hat. Den immer größer werdenden Herausforderungen in den Familien, was die Unterstützung in der täglichen Lernarbeit der Kinder betrifft, kann so vielversprechend begegnet werden.
Naturgemäß sind die Genossenschaften auch als Förderer und Sponsor in den Bereichen Kultur, Sport, Soziales und Umwelt bekannt. Wie setzen Sie das aktuell um und welche Ideen gibt es hier noch?
Andreas Fella: Mit der Gründung unserer Raiffeisen-Stiftung für Main-Spessart konnten wir einen wichtigen Meilenstein realisieren. Neben dem schon seit vielen Jahren erfolgreichen Förderprogramm für Vereine, den jährlichen Spenden der Bank und unserer Crowdfunding-Plattform, konnten wir hier eine Institution ins Leben rufen, die es ermöglicht, für die Ewigkeit Vermögen zu bündeln, das so der Förderung unserer Region zur Verfügung steht. Schwerpunkt der Stiftung ist aktuell noch der Naturschutz in der Region. Mit unserem Girokonto Naturwert (Informationen erhalten Sie jederzeit über unsere Berater) können alle Kunden unseres Hauses über eine monatliche Spende von 2 Euro regionale Naturschutzprojekte unterstützen.
